2004 - 2020
 Kultur in Urach - kulturach


 


Liebe Kulturachfreunde,


Kulturach ist Geschichte, wir ehrenamtlichen Kulturaktiven werden nach der Corona-Zwangspause keine Veranstaltungen mehr organisieren. Das Aus haben wir uns nicht leicht gemacht, aber das innere Feuer konnte nicht mehr geweckt werden – darin waren wir uns einig. Jetzt werden wir Kultur wieder selbst genießen statt sie zu veranstalten.



Hier nochmals ein kleiner Rückblick von der Presse für die Presse

Die Initiative hat seit der ersten Veranstaltung im November 2014 das kulturelle Leben der Stadt geprägt und vieles bewegt: Damals gab’s vieles, was heute selbstverständlich ist, noch nicht in Bad Urach – Kneipen, in denen Kultur stattfindet beispielswiese oder Kabarett im Kurhaus und von Vereinen organisierte Comedy. Kultur focussierte sich zu dieser Zeit auf die Herbstlichen Musiktage und die Kulturacher waren angetreten, um Kultur fürs „Mittelalter“ anzubieten. Angesiedelt unter dem Dach der „Lokalen Agenda“ fand sich im Sommer 2014 eine Gruppe zusammen, die sich im Kern kaum verändert hat und bis zum Ende ein immer größer werdendes Stammpublikum mit kreativen Ideen überraschte. Denn mangels festem Veranstaltungsort und angesichts des hohen Leerstands in der Innenstadt war das Ziel, Kultur in leer stehenden Läden anzubieten. Doch die waren schnell zu klein für das stets wachsende Publikum, Kultur fand kurzerhand in nicht dafür vorgesehenen Räumen statt - unter anderem in Firmenfoyers und Ställen, Autohäusern und Kantinen, in der Kreissparkasse wurde vor deren Abriss eine Hitparaden-Party gefeiert und im wasserlosen Aquadrom erklang experimentelle Musik. Was 2014 ein Novum und lange ein Kulturach-Alleinstellungsmerkmal war, wird im Jahre 2021 offiziell unterstützt: Das Land Baden-Württemberg hat ein entsprechendes Förderprogramm für Veranstalter initiiert, die Kultur in ungewohnte Räume anbieten.

Geld gab’s für die Kulturacher von niemanden, die Initiative hat sich die Jahre über selbst finanziert über den Getränkeverkauf und Eigenproduktionen. Da wurde gesungen und gespielt, getanzt und sorgte die Gruppe für viele Überraschungsmomente – sei’s bei den „Weibsbildern“ oder im Rahmen eines italienischen Abends. Das Modell Kulturach konnte 15 aktive Jahre überleben, weil die Künstler in der Regel für die Eintrittskasse aufgetreten waren - was da drin war, kam komplett ihnen zu. Coverrock und sphärische Klänge, Irish Folk, der erste Poetry Slam in Bad Urach und vieles mehr: Kulturach war für alles offen, das Publikum auch – der Dauer-Eintrittspreis von fünf Euro war niederschwellig, die Lust an Musik und mehr auch bei Kulturmuffeln geweckt.

Kulturach bot jungen und älteren Künstlern, Novizen und alten Hasen ein Forum – auch Heiner Kondschak war bei Kulturach zu Gast, solche Initiativen müsse man seiner Meinung unterstützen. Und so mancher, der als Nobody seinen Auftritt hatte, ist nun über die Region hinaus bekannt: Die „Traufgängerinnen“ feierten bei Kulturach Premiere und erhielten im vergangenen Jahr den Sebastian-Blau-Preis. Unvergessen ist die Aufregung der Musiker des Leonhard-Cohen-Projects, die ihr überhaupt erstes Konzert im Foyer der Firma Riegler hatten – inzwischen füllen sie das Theaterhaus in Stuttgart. Und da ist noch die Singer-Songwriterin Sarah Lesch, die bundesweit durchgestartet ist – in Bad Urach begeisterte sie ein kleines, aber feines Publikum in der Uraca-Kantine.

Es war eine bewegte Zeit für die Kulturacher und ihre Gäste, die längst nicht nur aus Bad Urach kamen sondern aus der Region und weit darüber hinaus. Der Abschied schmerzt alle, doch nach der Coronapause können sich die Kulturacher nicht mehr aufrappeln und das Konzept der Kultur in nicht dafür vorgesehene Räume passt wegen Abstands- und Hygieneauflagen nicht in die Coronazeit. Schon im Februar 2020 hatte sich Kulturach entschlossen, nur noch alle zwei Monate Veranstaltungen zu organisieren – die Personaldecke war immer dünner geworden, das Publikumsinteresse nahm ab: In der Region gab’s immer mehr Kulturveranstaltungen, was ja eigentlich gut ist. Ungewollt war ein Irish Folk-Konzert im Februar 2020 die letzte Kulturach-Veranstaltung, der für März geplante Poetry-Slam konnte wegen Corona schon nicht mehr stattfinden. Kulturach ist nicht alleine, zahlreiche Kleinveranstalter können oder wollen nicht mehr weitermachen. Die Kultracher freuen sich, dass sie von so vielen Besuchern und immer wieder kehrenden Künstlern über eine Ära hinweg unterstützt wurden.